
Czaja, Woyciech
Wir spielen Architektur
Verständnis und Missverständnis von Kinderfreundlichkeit
112 S., 69 Abb. [2005] EUR
16,–
ISBN 3 85449 233 2
Was ist eigentlich ein Kind? Der Jurist wird uns darauf eine andere Antwort
geben als der Soziologe, der Pädagoge eine andere als der Philosoph. Und
der Architekt? Wird er schweigen und weiterbauen?
Kinder werden
mittlerweile nicht mehr als »kleine Erwachsene« gesehen und behandelt,
sondern als »zukünftige Erwachsene«. Nirgendwo ist dies evidenter
als im Bereich der Architektur. Die Frage, auf welcher Höhe eine Türschnalle
zu montieren ist, ist noch eher humoristisch, aber bei der Frage, wo die Beschriftungen
in einem Museum anzubringen sind, könnte man bereits ins Grübeln kommen.
– Doch wer glaubt, kinderfreundlich sei »klein, bunt und rund«,
befindet sich auf dem Holzweg.
Wojciech
Czaja, in Wien lebender Architekturpublizist, gibt spannende und originelle
Antworten auf all die Fragen, die um das Thema »Kind in der Architektur«
kreisen. So zitiert er einen entsprechenden Leitfaden, der klar macht, dass
Kinder meist dort spielen, wo es nicht erlaubt ist: »auf Rampen von Tiefgaragen,
auf Autoparkplätzen, Podesten und Stiegen«. Oder, dass nirgendwo
Normen problematischer sind als bei Heranwachsenden: »Lena geht in die
Zweite und ist 120 cm groß. Sebastian (195 cm) geht in die Siebte. Beide
saßen bis vor kurzem auf den gleichen Stühlen. Auf Normstühlen.«
Czajas Credo:
»Kinderfreundlichkeit lässt sich nicht abstrakt definieren. Sie entsteht
konkret und bewährt sich nur im Zusammensein mit den Kindern.«
Wir spielen
Architektur ist kein neues Monopoly, sondern eine Pflichtlektüre für
Bauherren und Architekten – und für alle, die nach wie vor die Ansicht
vertreten, dass es den Kindern einmal besser gehen soll als uns. Eine Ansicht,
die ziemlich aus der Mode gekommen ist.
Wojciech
Czaja, 1978 in Ruda Slaska, Polen geboren, Architekturstudium an der TU Wien,
Architekturschaffender und Publizist, zahlreiche Veröffentlichungen zum
Thema.