
Stefan Grissemann
Sündenfall
Die Grenzüberschreitungen des Filmemachers Ulrich Seidl
250 S., [2007] € 19,90
ISBN 978 3 85449 279 5
Ulrich Seidls Provokationen
Von »Einsvierzig«, Ulrich Seidls
allererstem kurzen Film, der 1980 das Porträt eines kleinwüchsigen
Wieners zeichnete, bis zu dem – im Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes
2007 Aufsehen erregenden – monumentalen Doppel-Road-movie »Import
Export« verläuft eine Linie der Provokation und der erhitzten Auseinandersetzung.
Der Regisseur Ulrich Seidl hat es stets darauf angelegt (und zuwege gebracht),
sein Publikum zu überraschen und zu irritieren, herauszufordern und zu
berühren.
Seidls Filme vermögen zu schockieren
und zu erschüttern, indem sie auf die entscheidenden Fragen zur Natur des
Kinos und zu seiner »Moral« zielen: Fragen zu den Grauzonen zwischen
dem Dokumentarischen und dem Fiktionalen; Fragen zu den Grenzen des Voyeurismus
und zur Verpflichtung, unsentimental vom Leben und der Welt zu berichten; Fragen
auch zum Wesen des Schauspiels, das von der Selbstdarstellung der Amateure bis
zu den schönen, aber brüchigen Lügen der Profis reicht.
Stefan Grissemann versucht in der ersten
Studie zu Seidls Werk einen kontroversiellen, alles andere als leicht zugänglichen
Künstler zu porträtieren – und dabei jene allgemeinen Probleme
zu behandeln, die dessen Produktionen aufwerfen: Ethik und Pornografie, Manierismus
und Naturalismus im postdokumentarischen Kino. Sündenfall, annähernd
drei Jahrzehnte einer Werkgeschichte umfassend, kombiniert biografische Elemente
mit detaillierten Analysen sämtlicher Produktionen des Regisseurs. Ulrich
Seidl selbst kommentiert schlaglichtartig alle Stadien seiner Entwicklung.
Stefan Grissemann ist Filmkritiker und gegenwärtig Leiter des Kulturressorts des Wiener Nachrichtenmagazins profil. Er hat Bücher zu Arbeiten von Michael Haneke, Elfriede Jelinek und Robert Frank publiziert und eine Biografie des mysteriösen B-Picture-Regisseurs Edgar G. Ulmer verfasst.