
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war Frankreich das modische Epizentrum Europas. Der europäische Adel orientierte sich am Lebensstil des Hofes in Versailles, wo die bisher geübte Praxis des Rauchens durch jene des Tabakschnupfens ersetzt wurde. Das Schnupfen aus exquisiten Dosen avancierte zur einzig gesellschaftlich akzeptierten Form des Tabakkonsums.
Die Schnupftabakdose wurde bald, wie der Stock oder der Fächer, zum festen Bestandteil des modischen Erscheinungsbildes und musste auf Kleidung und gesellschaftlichen Anlass abgestimmt werden. Die Tabatière, die zu den kostbarsten Juwelenobjekten des 18. Jahrhunderts zählte, diente als königliche Auszeichnung beziehungsweise als verstecktes Geldgeschenk des Souveräns.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatte der Schnupftabak
das Rauchen weitgehend verdrängt; er diente Künstlern wie Schiller,
Swift und Mozart als geistiges Stimulans, der Klerus suchte mittels exzessives
Schnupfen seine Triebe zu dämpfen, selbst beim einfachen Volk
war das Possenspiel der Nase weit verbreitet.