
Schirlbauer, Alfred
Die Moralpredigt
Destruktive Beiträge zur Pädagogik und Bildungspolitik
216 S. [2005] EUR 18,–
ISBN 3 85449 230 8
Seit der zweiten PISA-Studie sind Bildung und Bildungspolitik nicht nur Thema
von Expertenrunden und Krisengipfeln, sondern auch Gegenstand von Alltagsgesprächen
und Stammtischdebatten. Rankings, zumal internationale, scheinen eben niemanden
kalt zu lassen. Alle rufen nach Reform, jeder meint eine andere.
Der Erziehungswissenschaftler
Alfred Schirlbauer macht hier – wieder einmal – nicht mit, versteht
sich eher als Quertreiber denn als Konstrukteur der Schulreform. Ironische Kommentare
und sarkastische Einwürfe liegen ihm mehr als konstruktive Vorschläge.
Die Moralpredigt
ist – so die Hauptthese – keineswegs eine Fehlform pädagogischen
Handelns, sondern bloß seine Urform bzw. sein Prototyp. Ihre doppelte
Zeitstruktur entfaltet eine spezifische Dynamik: Einerseits bezieht sie sich
auf schon Geschehenes, was nicht hätte geschehen dürfen, andererseits
konstruiert und konturiert sie Werte und Normen in den Köpfen/Herzen ihrer
Adressaten, welche für zukünftiges Handeln maßgeblich sein sollen.
Eindringlichkeit ist demgemäß eines ihrer Strukturmerkmale.
In diesem
Stil dekonstruiert Schirlbauer die Ambitionen des Ethikunterrichts, entlarvt
das »Humane Lernen« als Mogelpackung, plädiert für Lebensferne
statt für Lebensnähe und entdeckt unter anderem, dass Disziplin das
heimliche Ziel aller Erziehung ist.
Alfred Schirlbauer,
geboren 1948 in Lilienfeld. Achtjährige Unterrichtspraxis an Pflichtschulen.
Professor für Pädagogik an der Fakultät für Philosophie
und Bildungswissenschaft der Universität Wien. Wichtigste Buchveröffentlichungen:
Didaktik und Unterricht (Wien 1982); Junge Bitternis. Eine Kritik der Didaktik
(Wien 1992). Bei Sonderzahl: Im Schatten des pädagogischen
Eros. Destruktive Beiträge zur Pädagogik und Bildungspolitik (Wien
1996, 2. Auflage 2001, vergriffen).