
»Die Avantgarde ist in den Schatten getreten, aber ihre Myzele bestimmen weiterhin unsere Vorstellungen von Literatur. Andreas Puff-Trojan legt dieses Geflecht frei und lenkt unseren Blick auf einen Reichtum der Beziehungen, der unserer verkitschten Gegenwart zu denken geben sollte.« Michael Krüger
»Mit welchen theoretischen und praktischen
Ansätzen jeweils auf die noch vom Feuer versehrte «page blanche»
der Zeitenwende geschrieben wird, zeigt Puff-Trojan in seinen undogmatischen,
von der Philosophie gleichermassen wie von der Literaturwissenschaft kommenden
Essays.«
Neue Zürcher Zeitung, 30. August 2008
Die Studie SchattenSchriften liefert erstmals eine umfassende Dokumentation
deutschsprachiger und französischer Nachkriegsavantgarde und macht auf
deren Bedeutung für das heutige Kunstver-ständnis aufmerksam.
»Man liegt nie wirklich mit einer
Struktur des Lebens im Streit, ohne gleichzeitig alle Sprachformen zu kritisieren,
die zu dieser Struktur gehören.« – Alle Künstler, die
Andreas Puff-Trojan behandelt, würden diesen Satz Guy Debords wohl unterschreiben:
die Autoren der Wiener Gruppe, der Konkreten Poesie, der Lettristen um Isidore
Isou, der Situationisten um Debord, der Autorengruppierung Oulipo (= »Werkstatt
für potentielle Literatur«), allen voran Raymond Queneau und Georges
Perec, aber auch Autoren wie Ilse Aichinger, H. M. Enzensberger, Réné
Char und Philippe Sollers.
Die Autoren der Nachkriegsavantgarde nehmen
zwar mehrfach auf ihre Vorgänger Bezug, doch ihre Erfahrung ist eine andere:
Den Zweiten Weltkrieg, Faschismus und Holocaust vor Augen erleben sie die Aufteilung
der Welt in zwei Machtblöcke und die damit verbundene atomare Aufrüstung.
Die Kubakrise von 1962 machte allen klar, daß die Welt ab nun auch unter
dem Begriff »Auslöschung« zu bedenken ist. So sind die Begriffe
»Auslöschung«, »effacement«, »Verschwinden«,
»disparition«, die »page blanche« als weiße, unbeschriftete
oder schon durch Feuer geschwärzte Seite durchgängige Leitbilder ihrer
Schriften. Es sind SchattenSchriften.
Andreas Puff-Trojan, geboren 1960 in Wien.
Studium der Germanistik, Philosophie und Logik. Universitätslektorate in
Budapest und Paris. Privatdozent für allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft
an der Universität Osnabrück, Lehrbeauftragter u.a. an der Ludwig-Maximilians-
Universität München, Kulturjournalist. Zahlreiche Veröffentlichungen
in deutscher und französischer Sprache. Bei Sonderzahl: Textwechsel (Mithg.
und Autor), 1992; Wien/Berlin/Dada. Reisen mit Dr. Serner, 1993; Der Pfiff aufs
Ganze. Studien zu Walter Serner (Mithg. und Autor), 1998.