Polt-Heinzl, Evelyne
Ich hör' dich schreiben
Eine literarische Geschichte der Schreibgeräte
208 S., [2007] € 16,–
ISBN 978 3 85449 270 2

Als Goethes Feder kratzte

Ingeborg Bachmanns bevorzugte Arbeitszeit war die Nacht – das brachte ihr im lauten Rom einmal eine Anzeige wegen nächtlicher Ruhestörung ein, die allerdings glimpflich und sehr italienisch ausging: Als die Nachbarin den Grund des nächtigen Lärms erfuhr, war die Freude über »unsere« Dichterin groß und die Carabinieri zogen mit freundlichem Gruß wieder ab.
Evelyne Polt-Heinzl geht den mannigfaltigen Spuren des Schreibens in der Literatur nach: von der Handschrift, die sich derzeit durch den vermehrten Einsatz der Computer- und Handytastaturen »zu sich selbst befreien« kann, über das Spektrum der möglichen »Beschreibstoffe« (u.a. Stein, Luft, Holz, Haut, Ton, Leder) hin zu den verschiedenen Schreibgeräten der Geschichte, zu Goethes Feder, Handkes Bleistift und Bachmanns Schreibmaschine.
Neben einer Fülle von kulturgeschichten Details, etwa dem Ursprung des Begriffs »Schriftsteller« oder der von Zufällen begleiteten Entwicklung der Füllfeder, beschäftigt sich die Autorin mit der Frage, wie sich die Neuerungen bei den Schreibgeräten auf den Alltag auswirkten, etwa beim Wechsel zur Schreibmaschine – für Milo Dor »meine erste Liebe«. Ich hör' dich schreiben beantwortet so unterschiedliche Frage wie etwa jene, warum Hermann Brochs »Schlafwandler« und George Saikos »Im Schilf« auf der gleichen Schreibmaschine getippt wurden, wie Schreibwerkzeuge zu Mordinstrumenten werden können oder welche Erotik in Schreibgeräten steckt.


Evelyne Polt-Heinzl, geb. 1960: Studium der Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie in Salzburg und Wien, Literaturwissenschaftlerin und -kritikerin. Zahlreiche Buchpublikationen, zuletzt: Zeitlos. Neun Porträts. 2005
Bei Sonderzahl: Bücher haben viele Seiten. Leser haben viele Leben. 2004