Evelyne Polt-Heinzl
Peter Handke – In Gegenwelten unterwegs

168 S., € 16,–
ISBN 978 3 85449 352 5

 

Von Anbeginn seines Schriftstellerlebens war Peter Handke mediale Aufmerksamkeit gewiss: Schon sein erster Roman Die Hornissen erschien im renommierten Suhrkamp Verlag und von seinem Auftritt beim Treffen der Gruppe 47 in Princeton 1966 bis zu seinem Bemühen um »Gerechtigkeit für Serbien« stand er im Scheinwerferlicht. Doch es war vielleicht gerade diese starke Präsenz als öffentliche Figur, die den Blick auf sein Werk und sein poetisches Projekt immer wieder getrübt hat.

Wie kaum ein anderer Autor hat sich Handke mit jedem Buch neu erfunden und dabei nie das Risiko des Missverständnisses gescheut. Der Preis dafür war nicht gering, selbst viele Fans der ersten Stunde wandten sich Anfang der 1980er Jahre von ihm ab, die Kritik sprach von »Diözesanprosa« und Allerweltsliteratur »von gestern«. Kaum jemand aber bemerkte, dass Handkes Werk auch einen kritischen Kommentar zu gesellschaftspolitischen Entwicklungen darstellt, deren Fatalitäten er oft um einiges früher wahrnahm als seine Zeitgenossen.

In 23 Kapiteln unterzieht Evelyne Polt-Heinzl Handkes Werk einer systematischen Relektüre und stellt es den gesellschaftlichen Befindlichkeiten in den vergangenen fünf Jahrzehnten gegenüber. Daraus ergeben sich mitunter überraschende Perspektiven – auch auf den Witz und die Selbstironie, die bereits in Handkes frühen Büchern zu finden sind. Das kann zum Wiederlesen von »alten« Handke-Büchern anstiften, neue Zugänge zu seinen Erzählwelten eröffnen und deutlich machen, dass wir es mit dem Werk eines der bedeutensten Schriftsteller unserer Zeit zu tun haben.

Evelyne Polt-Heinzl, geboren 1960. Lebt als Literaturwissenschaftlerin und -kritikerin in Hirschwang.
Bei Sonderzahl: Bücher haben viele Seiten. Leser haben viele Leben (2004); Ich hör’ dich schreiben. Eine literarische Geschichte der Schreibgeräte (2007); Einstürzende Finanzwelten. Markt, Gesellschaft & Literatur (2009).