
Pollak, Sabine
Leere Räume
Weiblichkeit und Wohnen in der Moderne
240 S., 26 Abb. [2004] EUR 25,–
ISBN 3 85449 220 0
Die Geschichte moderner Architektur lässt sich als permanenter Prozess
des Ausschließens von Weiblichkeit lesen. Bis zur Jahrhundertwende waren
Frauen aus nahezu allen öffentlichen Räumen ausgeschlossen und in
das Innere der Wohnungen verbannt. Am Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die
Wohnungen systematisch von allen weiblichen Attributen geleert, was aber wenig
an den Rollenzuteilungen änderte. Noch längere Zeit wurde Weiblichkeit
als das dargestellt und verherrlicht, was geschützt, bewahrt, isoliert
oder inszeniert werden musste – zwischen Jungfräulichkeit, Häuslichkeit,
Hysterie oder Vermännlichung.
Leere Räume untersucht die Zusammenhänge zwischen der Architektur
des privaten Wohnens und dem jeweiligen idealen Bild des Weiblichen. Sabine
Pollak bedient sich dabei verschiedener Texte von Walter Benjamin, Sigmund Freud
und Hermann Muthesius; anhand früher Texte und Bauten von Adolf Loos, Le
Corbusier und Ludwig Mies van der Rohe ergründet sie das Zusammenspiel
zwischen dem Bild idealisierten Wohnens und dem Bild idealisierter Weiblichkeit.
Gegenstand der Untersuchung ist das private Wohnen der Jahrhundertwende in Europa,
die künstlerischen Strategien des Surrealismus der 1920er Jahre sowie das
Wohnen der späten Moderne nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA, wohin
die meisten Architekten der Weimarer Republik ausgewandert sind. Eine Geschichte
der «Befreiung« des privaten Wohnens zeigt schließlich, dass
der Prozess der Raumleerung nicht zwingend mit der Aufhebung traditioneller
Geschlechterrollen verbunden war. Eine rhetorische Öffnung des Wohnens
sollte Frauen vordergründig zufriedenstellen, um tatsächliche Forderungen
einer Teilnahme an männlichen Privilegien zu unterbinden.
Sabine Pollak studierte Architektur an der TU Graz und Wien, promovierte 1995
und habilitierte sich 2003 für das Fach Wohnbau. 1993 und 1994 lehrte sie
als Gastprofessorin an der University of Michigan, seit 1989 unterrichtet sie
an der TU Wien Theorien des privaten Wohnens, Gendertheorien und experimentelle
Entwurfsstrategien. Sabine Pollak ist an mehreren Forschungsprojekten beteiligt,
forscht im Bereich Feminismus und Wohnen, Wohnen und Gender und Geschichte des
Privaten, organisiert Gesprächsrunden und Symposien zum Thema Wohnen und
arbeitet seit 1996 als Partnerin im Büro Köb & Pollak Architektur
in Wien.