Pfaller
, Robert (Hg.)
Schluss mit der Komödie! Stop That Comedy!
Zur schleichenden Vorherrschaft des Tragischen in unserer Kultur
192 S. [2004] EUR 16,–
ISBN 3 85449 226 X
Obwohl die Komödie eine Gattungsbezeichnung ist, tritt dieser Begriff mit
Regelmäßigkeit in Situationen des Alltagslebens auf – und zwar
in den unterschiedlichsten Kontexten: »Schluss mit der Komödie«
rufen z. B. erzürnte Ehegatten; der Philosoph Alain bezeichnet die Praxis
der Höflichkeit als eine Komödie; amerikanische Theologen haben die
Formel »theology as comedy« entwickelt und Krafft-Ebing spricht
von der »Komödie« des Masochismus.
Andererseits
gibt es im Alltagsleben eine eigentümliche Abwesenheit des Komödienbegriffs:
Das Drama, das eigentlich Komödie und Tragödie umfasst, wird im Alltag
fast ausschließlich als Tragödie bzw. tragisches Melodram verstanden:
Man spricht von einem »Beziehungsdrama«, einem »Eifersuchtsdrama«
oder einem »Geiseldrama«. Warum aber ist das Drama immer eine Tragödie?
Welche Vorliebe unserer Kultur für das Tragische verrät sich an dieser
Einseitigkeit? Gibt es trotz der Metaphern, die die Komödie im Leben und
in der Kultur außerhalb der Bühne verankern, eine spezifische Komödienunfähigkeit
unserer Kultur? Warum gerät uns die Beziehung immer zum Drama, und warum
ist dieses Drama niemals eine Komödie? Existieren noch Kulturen, die das
ganz anders handhaben? Was könnte unsere Kultur von den Kulturen der Komödie
lernen?
Robert Pfaller
lehrt seit 1993 Philosophie und Kulturwissenschaft an der Kunstuniversität
Linz. Gastprofessuren u.a. an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und
an der University of Illinois at Chicago, School of Art and Design. Letzte Buchpublikation:
Die Illusionen der anderen. Über das Lustprinzip in der Kultur (Frankfurt/M.
2002).
Mit Beiträgen
von: Dieter Bandhauer (Wien), Mladen Dolar (Ljubljana), Carl Hegemann (Berlin),
Rudolf Helmstetter (München), Robert Pfaller (Linz/Wien), Alenka Zupancic
(Ljubljana)