Petrik, Dine
Bibliotheca Alexandrina
Unterwegs auf Weltwunderboden
112 S., 10 Abb. [2005] EUR 14,–
ISBN 3 85449 229 4


Dine Petrik macht auf einer Ägypten-Reise einen Abstecher nach Alexandria. Die heute zweitgrößte Stadt Ägyptens (knapp fünf Millionen Einwohner, knapp 225 km von Kairo entfernt) lässt sich durch ihre kulturellen Prägungen und ihre Atmosphäre nur schwer in die des Orients einfügen. Es gilt den im Jahr 2001 eröffneten Neubau der Bibliothek seine Reverenz zu erweisen. Die Reisende lässt sich begeistern von der Strahlkraft der neuen Architektur: Eine Riesenscheibe, die aus dem Wasser zu steigen scheint. Ein Dachkomplex, mit einem Durchmesser von 160 Metern, der zu schweben scheint. Ein Bibliotheksinneres, das mit seinem weltweit größten Lesesaal 2500 Studierenden gleichzeitig optimale Möglichkeiten bietet.

Wir befinden uns auf Weltwunderboden, an einem Knotenpunkt zwischen Europa, Afrika und Asien. Die Geschichte ergreift Besitz von der Autorin, die uns Lesende auf ihre rasende Fahrt mitnimmt: Pyramiden und Pharaonen, Ägypter und Ptolemäer, Griechen und Römer, Alexander und Julius Cäsar. Und an Kleopatra gibt es kein Vorbei … viel später dann Napoleon, dessen Flotte östlich von Alexandria von Admiral Nelson vernichtend geschlagen wurde.

Im Windschatten der Napoleonischen Zeit folgen den Soldaten bis heute die Wissenschaftler auf die verlassenen Schlachtfelder. In unseren Tagen etwa hat der Unterwasserarchäologe Franck Goddio Wrackteile der napoleonischen Flotte vor Abukir aufgespürt und die Arbeit des Archäologen Jean Yves Empereur reicht weit über die Hebungen rund um Pharos hinaus. Petrik verweist auf brutale westliche Potentaten wie auf die Ausbeutungsgier der Kolonialisten; aber vor allem nimmt sie in dieser essayistischen Liebeserklärung an Alexandria Partei für den ägyptischen Menschen und dessen wechselvolle Geschichte.

Der Reisenden wird die Zeit knapp: »Ich muss zu den Katakomben von Kom El-Shoqafa. Aber heute nicht mehr. Ich muss ins Römische Theater. Und zum Pompeius … Ich muss unbedingt zum Ptolemäus Philadelphus. Der mir unbedingt seufzen muss, wo die alte Bibliotheca gestanden hat. Ich steige aus. Ich bleibe. Verlängern um einen Tag!«