
Gabriele Petricek
Von den Himmeln
Triptychon
160 S., Hardcover
Format: 13,5 x 21 cm
€ 18,–
ISBN 978 3 85449 323 5
»Die Komplexität des Triptychons ist durchwegs stichhaltig. (…)
Die Kunsthaftigkeit des Stils unterläuft alle Sprachgewohnheiten. Zwanglos
erfindet die Autorin, was die deutsche Sprache nicht bietet. Bestimmte und unbestimmte
Artikel sind vernachlässigbar, Verben werden durch minimale Veränderungen
mit neuer Nuancierung belegt (es schüttelt den Körper nicht, er schüttert,
statt glotzen heißt es glanzen, statt fliegen flügeln) und herkömmliche
Metaphern in eigener Logik verkehrt. Farben wie titanweiß, hirnviolett
oder komplementärgrün sollten die Modebranche aufhorchen lassen. Der
Wald ist nicht tannengrün sondern tannenschwarz, es ist brechend still,
der Himmel ist kariert und die Wolken zerreißen wie lockerer Kaiserschmarrn.«
www.literaturhaus.at
»Manche
Spracheigenwilligkeiten der Autorin geraten nahe ans Manieristische, aber das
wiegt leicht gegen jene Passagen, in welchen Petricek mit ihren verkürzten
Satzkonstruktionen und ausgefallenen Bildern in ganz eigene Dimensionen vorstößt,
wie etwa bei Himmel- und Wetterbeobachtungen. Alle drei Prosastücke heben
mit dem Blick nach oben an und präsentieren dabei eine Fülle an so
noch nie gesehenen bzw. beschriebenen Wolken- und Luftstimmungen.«
Wiener Zeitung
Es gibt Menschen, die von den Himmeln kommen, dennoch nicht engelhaft und unschuldig
sind: zwar ausgestattet mit Talenten, aber geprägt von schicksalhaften
Umständen, die sie selbst bewirkten. Gabriele Petricek hat sich in drei
Novellen, deren Zusammenschau als Triptychon
erkennbar wird, dem Thema Schuld und Scheitern verschrieben.
Die titelgebende Novelle Von den Himmeln
handelt vom Künstler N., der im Affekt seine Freundin, die Tänzerin
Simonetta, ermordet hat. Er erinnert sich seiner Tat nicht. Seine Strafe sitzt
er in einem zum Gefängnis für abnorme Rechtsbrecher umgebauten früheren
Lungensanatorium ab, wo er ein skurriles Schreibritual pflegt. Bis er eines
Tages aufbricht, hinunter geht vom Berg, durch den hereinbrechenden Winter,
um absichtsvoll dem Tod entgegen zu gehen.
Robert Lamper, der Protagonist der zweiten
Novelle Gegenfarbe, ist, anders als N. am Berg, in der Ebene an einem
gesellschaftlichen Unort zuhause, einem Truppenübungsplatz, für den
alle Bewohner ausgesiedelt worden sind. In den verfallenden Zurücklassungen
hausen obskure Kreaturen. Lamper, gelernter Steinmetz, der gern Künstler
geworden wäre, ist ein vom Laufen Besessener und sucht damit seinen Dämonen
zu fliehen. Bis er das durch einen Autounfall auf einer Schrotthalde gelandete
Fotomodell Joyce Ickx zu seiner Gefangenen und zum Vorbild für Schaufensterpuppen
macht. Überraschend wendet sich die Geschichte.
Die dritte Novelle Narben, Stiche
ist scheinbar harmloser, weniger von Tod und Erotik beherrscht, heiterer, aber
um nichts weniger komplex. Hier bleibt die Einheit von Zeit und Ort gewahrt,
Alberta Perlmutt, Schneiderin und Modeschöpferin, liegt auf einer Wiese
und lässt ihre Gedanken treiben, wird von Erinnerung verfolgt und eingeholt:
gescheiterte Beziehungen, eine mehr von Brüchen als von Höhepunkten
gezeichnete Karriere, die aus ihrem Leben verschwundene Tochter …
Gabriele Petricek folgt den verschlungenen
Pfaden ihrer Figuren in poetisch hoch aufgeladener Sprache. Artifiziell wie
anschaulich in ihren Beschreibungen von Landschaften und Wettervorgängen,
sind diese mehr als stimmige Folien für die seelischen Abgründe von
Menschen, die von den Himmeln kommen und vom Leben heimgesucht werden.
Gabriele Petricek, geboren in Krems,
ausgebildet zur Modedesignerin, lebt als Schriftstellerin und Kulturpublizistin
in Wien. Veröffentlichungen in internationalen Zeitungen, Ausstellungskatalogen,
Literaturzeitschriften und im Rundfunk; zahlreiche literarische Beiträge
in Anthologien; verschiedene Auszeichnungen und Stipendien für Literatur,
2005 Debüt-Preis des Staatssekretariats für Kunst; Writer-in-Residence-Aufenthalte
in den USA, Großbritannien, Italien und Slowenien; regelmäßige
Kunstkritiken in jazzzeit – Magazin für Musik und Lebenskunst. Zuletzt
erschien Zimmerfluchten, Erzählungen, St. Pölten 2005.
Link: Homepage von Gabriele Petricek