
[Kein Motto, sondern ein Foto]
Die Fotografin Karin Mack hat in den 70er
Jahren in Künstler- und Architektenkreisen sowie an verschiedenen Schauplätzen
wie dem Spittelberg oder den abbruchreifen Fischhallen am Wiener Donaukanal
Fotos gemacht, die ein faszinierendes und eindringliches Bild dieser Zeit vermitteln.
So wird uns ein Porträt einer Epoche gezeichnet, in dem man sich gleichzeitig
wiedererkennen als auch völlig Neues entdecken kann.
Karin Mack, damals eine junge Frau, suchte
in jenen Jahren nicht nur ihre künstlerische Handschrift, sondern befand
sich auch in einem persönlichen, privaten Aufbruch – ein Aufbruch,
der sich mit den Inhalten überlagerte, die sie bei ihren Fotosessions mitbekam.
»Eine der besondersten spielt sich beim ›Ersten Berliner Dichterworkshop‹
1972 ab. Teile der ›Wiener Gruppe‹ in voller Aktion. Ein Haufen
– ich kann mir die Bemerkung nicht verkneifen: ein machistischer Haufen
– von Provokateuren, denen so manchesmal die Provokation an sich genug
war, die sich selbst genug waren.« So Liesbeth Waechter-Böhm in ihrem
Vorwort zu Kunstwege ’70.
»In der Rückschau kommen einem
die frühen siebziger Jahre gleichzeitig heroisch und dilettantisch vor,
visionär, kämpferisch, anti-kommerziell und – nach heutigen
Kriterien – eigentlich unprofessionell. Immer noch ging es irgendwie um
Aufbruch, obwohl die unmittelbare Nachkriegszeit mit ihrem kulturellen Nachholbedarf
doch längst vorbei war. Da es aber nach wie vor keine gesellschaftliche
Akzeptanz für die künstlerischen Erzeugnisse einer jüngeren und
provokanteren Künstlergeneration gab, da sie im Gegenteil vom bürgerlichen
Kulturbetrieb verachtet und angefeindet war, gab es auch keine geordneten Strukturen
zu ihrer Beförderung, ihrer Präsentation, Rezeption und Vermarktung.
Alles fand in einer Art halbprivatem/halböffentlichem Rahmen statt, der
von einem kleinen Kreis Mitverschworener gebildet wurde.« (Liesbeth Waechter-Böhm)
Karin Mack, einige Semester Medizin und
Anglistik. Hinwendung zur Architekturfotografie, ab 1970 dokumentarische Arbeiten
in der Kunst- und Kulturscene Wien. Ab 1975 konzeptuelle Selbstporträts
zum Status der Frau, gefolgt von Tableaus zu den Themen »Abwesenheit–Erinnerung«,
»Reisen–Porträts«. 1978–88 Studium der Kunstgeschichte,
Uni Wien. Seit 1990 Computercollagen zu Themen »Natur–Kultur«.