Liessmann, Konrad Paul
Ästhetik der Verführung
Kierkegaards Konstruktion der Erotik aus dem Geiste der Kunst
144 Seiten [2005] EUR 16.-
ISBN 3 85449 241 3

Wenn es ein Abenteuer des Geistes gibt, dann dieses: die Verführung eines Menschen nach den Prinzipien der Kunst. Jemanden schlicht zum Genuss zu verführen, mag eine noch halbwegs erlernbare Technik sein. Aber eine Ästhetik der Verführung will mehr: sie will die Durchführung eines nach allen Gesichtspunkten der Moral verwerflichen Aktes nach den Kriterien der Eleganz, der Präzision und der Schönheit. Es fragt sich, ob der schamlose Betrug an einem Menschen anders bewertet werden muss, vollzieht er sich in einer vollendeten Form. Was aber, wenn jemand behauptete, diese Art der Verführung wäre erst vollkommener erotischer Genuss, wäre allein würdig eines Menschen, der das Schöne liebt und seine Existenz poetisch gestalten will? Es gab einen, der solches behauptete: Søren Kierkegaard.

Anlässlich des 150. Todestages des dänischen Philosophen Kierkegaard am 11. November wird die Studie Liessmanns zur Ästhetik der Verführung in einer erweiterten Neuausgabe wieder aufgelegt. Diese Arbeit leistet einen entscheidenden Beitrag zum Verständnis jener vertrackten Formen des Erotischen, die in den Zeiten der Banalisierung und politisch-korrekten Moralisierung des Sexus nur allzuleicht vergessen werden. Ergänzt wird diese Studie durch eine Reihe von Essays aus den letzten Jahren, die Motive der Kierkegaard-Arbeit aufnehmen und das Phänomen des Erotischen und die Frage der Verführbarkeit des Menschen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.


Konrad Paul Liessmann, geb. 1953, ist Professor für Philosophie an der Universität Wien und Autor zahlreicher Bücher. Zuletzt sind erschienen: Philosophie des verbotenen Wissens (2000); Kitsch (2002); Günther Anders (2002); Reiz und Rührung (2003); Spähtrupp im Niemandsland (2004).
Bei Sonderzahl: Karl Marx 1818–1989. Man stirbt nur zweimal (1992); Der gute Mensch von Österreich. Essays (1994); Der Aufgang des Abendlandes. Eine Rekonstruktion Europas (1995)