Gachnang, Johannes
Der Vorgänge sind viele, wir folgen dem Ornament
Texte 1999–2005
140 S., [2006] € 16,–
ISBN 3 85449 260 X


In memoriam Johannes Gachnang

Nach Reisebilder, Im Bilderstreit und Musée antiegoïste erscheint postum der vierte und letzte Band von Johannes Gachnangs Aufsätzen und Vorträgen zur zeitgenössischen Kunst.

»Als ich mit ihm einmal durch eine Ausstellung von Clifford Still im Basler Museum für Gegenwartskunst ging, konnte ich mir eine despektierliche Bemerkung über eins der dort gezeigten Bilder nicht verkneifen, worauf mein Begleiter augenblicklich konterte: ›Aber das muss ein Künstler doch erst mal hinkriegen, ein so schlechtes Bild zu malen.‹ Da hatte ich meine Lektion bekommen, nämlich dass Johannes Gachnang in der Lage war, das Werk eines Künstlers in den grossen biographischen Bedeutungsraum zu stellen. Mit einer solchen Argumentation kann man natürlich jeden Unsinn rechtfertigen. Aber trotzdem bezieht eine derartige Perspektive die Position des Lebensplans, und ist deshalb von unbestreitbarer und wie ich finde beneidenswerter Souveränität. Beim großen Essay, von dem Johannes Gachnang immer sprach und den er in seinen Ausstellungen verwirklichen wollte, ging es um den Versuch, für eine solche Gesamtsicht die intellektuellen Voraussetzungen, aber auch die atmosphärische Grundlage zu schaffen.« (Rudolf Schmitz)

Johannes Gachnang (1939–2005) war in den späten 60er Jahren zunächst als freier Künstler in Istanbul, Rom und Amsterdam tätig, von 1974 bis 1982 Direktor der Kunsthalle Bern. 1982 prägte er als Kurator verschiedene internationale Ausstellungen wie beispielsweise die »documenta 7« in Kassel und den »Bilderstreit« in Köln.
1983 gründete Johannes Gachnang an der Akademie der bildenden Künste in Wien das Institut für Gegenwartskunst. An der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe und der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg war Gachnang ebenfalls gefragter Gastprofessor.
Mit dem Berliner Kunsthändler Rudolf Springer gründete er 1983 den Verlag Gachnang & Springer, in dem Bücher und Werkausgaben von Künstlern wie Karel Appel, Meret Oppenheim, Georg Baselitz, Per Kirkeby, Sigmar Polke, Jörg Immendorff, A. R. Penck, Markus Lüpertz, Günther Förg und Luciano Fabro erschienen.