Lisa Fritsch
Wannen Wonnen
140 S., engl. Broschur
Format: 13,5 x 21 cm
€ 16,–
ISBN 978 3 85449 318 1

Badewannen sind Orte des Rückzugs, der Regneration, der Sinnenfreude und immer wieder auch Orte der Gefahr. Nassräume sind ihr klassisches Zuhause, aber selbst auf Wiesen und Almen werden ausrangierte Wannen als Viehtränken gesichtet. Ihre Formenvielfalt ist beeindruckend und ihre artfremden Verwendungszwecke reichen vom Taufbecken bis zum Blumentrog. Umgekehrt lässt sich so manch anderer Behälter für Badefreuden »missbrauchen«. In einem italienischen Museum stehen Sarkophage mit Abflusslöchern. Wozu diese Öffnungen? Kaum zu fassen, dass römische Sarkophage später als Badewannen benutzt wurden.

Wannen Wonnen besteht aus unterschiedlichen Genres. Mit einem Gemisch von Erzählung, Notat, Reportage, Essay und Gedicht wird Lisa Fritsch dem Phänomen Badewanne in seinen kulturhistorischen Facetten gerecht: vom Ort des Alleinseins bis zum Badezimmer für die gemeinsame Schönheitspflege, vom Ort für physikalische Experimente bis zur Wanne als Tatort.

Marcel Duchamps Tod im Badezimmer und Jean-Paul Marats letzte Lebenstage in der Badewanne, wo er Linderung von seiner Hautkrankheit suchte, sowie der immer noch ungeklärte (Selbst-)Mordfall des deutschen Politikers Uwe Barschel werden ausführlich dargelegt. Andere Texte sind knapp gehalten, aber nicht weniger einprägsam. So etwa die Erinnerung der Autorin an ihre Kinderbadewanne, die später mit Büchern gefüllt auf dem Dachboden gefunden wird. Ein ganz spezielles Stück, das der Nachwelt nur noch als Fotografie erhalten geblieben ist, ist eine gläserne Wanne, die Otto Wagner für seine Frau anfertigen ließ.


Lisa Fritsch, geb. in Wien, promovierte 1987 nach dem Studium der Philosophie und Ethnologie über den »Ursprung und Sinn moderner Lyrik. Anthropologische Aspekte einer literarischen Gattung«, bis Juni 2000 im Schuldienst tätig. Freie Autorin seit 2000. Mitglied der Grazer Autorenversammlung und des Podium-Literarturkreises. Theodor-Körner-Preis 1983. Bei Sonderzahl: Am Spieltisch. Die Sucht nach Gewinn und Verlust (2004).