Bartsch, Kurt / Melzer, Gerhard (Hg.)
Zwillingsbrüder: Canetti und Wotruba
Nachwort von Gabriele Stöger
136 Seiten, 47 Abb. [2005] EUR 16,–
ISBN 3 85449 238 3



Elias Canetti und Fritz Wotruba lernten einander Mitte der 30er Jahre in Wien kennen und betrachteten sich bald als »Zwillingsbrüder«.

»Wie zwei Einzige stürzten wir durch die Gassen Wiens«, erinnert sich Canetti im Augenspiel, dem dritten Band seiner Autobiographie, wo er ein genaues, einfühlsames Porträt des Bildhauerfreundes zeichnet. Beiläufig erwähnt er einen Essay über Wotruba, den er 1954 geschrieben habe und an dem er »nie etwas ändern« wolle. Die Canetti-Rezeption hat diesem Text kaum Beachtung geschenkt, dabei gehört er nicht nur zum Aussagekräftigsten, das jemals über Wotrubas Werk geäußert wurde, sondern zeigt in seiner klaren sprachlichen Verdichtung den späteren Nobelpreisträger auf dem Höhepunkt seiner analytischen Fähigkeiten.

Der Band präsentiert den Essay zusammen mit Abbildungen der Skulpturen, die Canetti in seinem Text beschreibt. Dazu kommen unveröffentlichte Briefe Canettis aus dem Besitz der Wotruba-Stiftung (Wien), die das Verhältnis der »Zwillingsbrüder« und insbesondere den Entstehungszusammenhang des Essays charakterisieren.

Zwillingsbrüder erscheint anlässlich der Wotruba-Ausstellungen im österreichischen Skulpturenpark (18. Juni bis Herbst 2005) und in der Neuen Galerie Graz (17. Juni bis 17. Juli 2005) im Rahmen des Schwerpunktprogramms »Canetti 05«.

Gabriele Stöger, geboren 1966. Studium der Geschichte und Kunstgeschichte an der Universität Wien. Dreijähriges Postgraduate-Studium am Institut für Österreichische Geschichtsforschung an der Universität Wien. Betreut seit 1995 für den Fritz Wotruba-Verein den künstlerischen Nachlass des Bildhauers mit Sammlung und Archiv.