Burda, Gerhard
Religion und Differenz
Derrida. Lacan

208 S., [2008] € 16,–
ISBN 978 3 85449 292 4


Das Thema Religion hat in den letzten Jahren verstärkt an Aktualität und Brisanz gewonnen. Die internationale Aufmerksamkeit ist damit gezwungen, sich auf eng mit dem Religiösen liierte geopolitische Entwicklungen zu konzentrieren, da Auseinandersetzungen weltweit im Namen der Religionen geführt werden. So gilt vor allem der 11. September 2001 als Brennpunkt radikaler universalistischer Hegemonien und als Geburtstag eines »neoreligiösen« Jahrhunderts.

Die Exzessivität, mit der diese »Rückkehr der Religion« teilweise geschieht, lässt an das Aufdringlichwerden von etwas Monströsem, Verdrängtem oder Verleugnetem denken, an das Aufdringlichwerden von etwas, das die lacansche Psychoanalyse das Reale nennt: Das Reale, bei Lacan negativ definiert als dasjenige, was weder symbolisch erfasst noch imaginiert werden kann, soll hier in die Nähe jenes »Unmöglichen« gebracht werden, das auch die Derrida’sche Dekonstruktion umkreist.

Das ungefilterte Andrängen von Heil- und Sinnlosigkeit und das Durchbrochenwerden der Oberflächen und Medien, mittels deren Menschen ihr Leben darstellen durch etwas Undarstellbares, Traumatisches und Unmögliches, führt nicht nur die Religion an ihre Grenze, sondern auch Ethik, Politik und das Symbolische insgesamt. Das damit verbundene Schwanken der Religion lässt die Frage auftauchen, was es denn mit dem Religiösen noch auf sich haben kann. Lässt sich überhaupt noch die als für das Religiöse charakteristisch erachtete Scheidung sakral/profan sinnvoll aufrechterhalten? Oder haben wir mit dem Religiösen nicht eher eine Art »verrückte Wette« auf das Unmögliche zu bedenken, da wir es mit »etwas« zu tun haben, das nicht nur als Bedingung der Möglichkeit von Sinn, sondern auch als Bedingung der Unmöglichkeit jeder Sinnhaftigkeit zeichnet?

Gerhard Burda, Philosoph, Lehranalytiker, Vorsitzender der Österr. Gesellschaft. f. Analytische Psychologie (ÖGAP), Publikationen zu Psychoanalyse, Ethik, Religion u. a.