
Herbert J. Wimmer
einträge in die enzyklopädie des augenblicks
aufsätze und vorlesungen
240 S., Broschur
Format:13,5 x 21 cm
€ 19,90
ISBN 978 3 85449 341 9
»Mit Herbert J. Wimmer wird der Heimrad-Bäcker-Preis 2009 an einen
Wegbegleiter, Wegbereiter und herausragenden Protagonisten der österreichischen
Avantgardeliteratur nach 1945 verliehen. In seiner reflektierenden Prosa erkundet
Wimmer aus konstruktivistischer Perspektive die Frage, wie wir uns selbst und
unsere Umwelt wahrnehmen können.«
Diese Worte aus der Begründung der Heimrad-Bäcker-Preis-Jury
lassen sich auch auf Wimmers literaturtheoretische Texte anwenden. Seine Aufsätze
zur und über Literatur sind leidenschaftliche Reflexionen über die
Arbeiten von anregenden Zeitgenossen und Vorbildern – wobei literarische
Vorfahren die Aktualität von Zeitgenossen haben: James Joyce neben Oswald
Wiener, Melchior Vischer neben Elfriede Jelinek, Edgar Allan Poe neben Henri
Michaux. Dichter und Dichterinnen wie Friedrich Achleitner, Konrad Bayer, Elfriede
Gerstl, Gerhard Rühm und der Medientheoretiker und Konsequente Konstruktivist
Siegfried J. Schmidt gehören für ihn zum Beziehungsgeflecht der Welt
gegenwärtiger Moderne, in der er schreibt, die er beschreibt und erschreibt.
Wahrnehmung, (Selbst-)Reflexion und schöpferische Aktion ist bei Wimmer
nicht voneinander zu trennen. Eines durchdringt und strukturiert das andere
– und lässt hoffen auf wechselwirkende Weiterentwicklung, in andauernder
Offenheit.
Einen besonderen Stellenwert nehmen jene Vorlesungen zur Literatur ein, in denen
Herbert J. Wimmer die Produktionsgeschichte seiner Romane aufarbeitet –
wobei er sich durchaus der Gefahr bewusst bleibt, derart seine »bücher
im eigenen saft zu ertränken«. Mit Umberto Eco denkt er: »Ein
Erzähler darf das eigene Werk nicht interpretieren, andernfalls hätte
er keinen Roman geschrieben, denn ein Roman ist eine Maschine zur Erzeugung
von Interpretationen.« Beschäftigung mit dem eigenen Werk ist bei
Wimmer als Erzählung vom Arbeitsprozess zu verstehen, eine sich
fortschreibende Geschichte, die viele Abschweifungen beinhaltet – »denn
wie immer beim schreiben ist der autor in sich unterwegs, nicht um sich zu finden,
denn er hat sich nicht verloren, sondern um die schreibfrüchte des lesenden
zu ernten.«
Herbert J. Wimmer, geb.
1951 in Melk, lebt als Schriftsteller in Wien. Arbeiten für Rundfunkanstalten
sowie literatur- und filmkritische Schriften, fotografische und zeichnerische
Arbeiten.