
Scheit, Gerhard / Svoboda, Wilhelm
Feindbild Gustav Mahler
Zur antisemitischen Abwehr der Moderne in Österreich
340 S. [2002] EUR 25,–
ISBN 385449 196 4
Gustav Mahlers Werk ist scheinbar durchgesetzt. Die Konflikte aber, die es
hervorgerufen hat, sind in Vergessenheit geraten. Dabei ist die Rezeption
dieser Musik in Österreich seit 1918 ein hervorragendes Beispiel für
die antisemitische Abwehr der Moderne.
Jemand, der Mahlers Musik nicht mag, muss kein Antisemit sein, und ein Freund
der Moderne ist nicht unbedingt ein Freund von Mahlers Musik. Es kommt eben
darauf an, wie im einzelnen gegen Mahler argumentiert wird.
Dabei handelt es sich nicht allein um ein Problem der Jahre 1933 bzw. 1938
bis 1945, sondern um eine Grundkonstellation des Jahrhunderts, mag sich die
Ranküne nach 1945 auch maskiert haben; denn Antisemitismus ist nach den
Begriffen dieser Studie kein bloßes Vorurteil, sondern so etwas wie
ein national integrierendes Moment im Kultur- und Musikverständnis. Inwieweit
die ›Musikstadt‹ Wien dabei – wie schon zu Mahlers Lebzeiten
(1860–1911) – zur unrühmlichsten Avantgarde zählt, auch
darüber soll das Buch Auskunft geben.
»Der Musikwissenschaftler Scheit
und der Politologe Svoboda haben eine penible Recherche über den Umgang
Österreichs mit Mahlers Musik vorgelegt. Riskante These der Autoren:
Das österreichische Spezifikum in der Annäherung an die Musik des
großen Sohnes sei der Antisemitismus, ›so etwas wie ein national
integrierendes Moment im Kultur- und Musikverständnis‹. So verstörend
diese Behauptung im ersten Moment klingen mag, so eindrucksvoll sind die Belege,
die Scheit und Svoboda dafür liefern.« profil