Ernst, Gustav
Die Frau des Kanzlers

Eine Rede
96 S. [2002] EUR 14,30
ISBN 3 85449 200 6

Politikerehefrauen haben meist nicht viel zu reden – zumindest in ihrer Funktion als Gattin des im öffentlichen Leben umtriebig agierenden Politikers. Dabeisein aber ist gefordert: beim Bierzeltfest der freiwilligen Feuerwehr ebenso wie bei der Eröffnung einer Messe; beim Besuch eines ausländischen Staatsmannes wie bei Republikfeiern.

Gustav Ernsts Frau des Kanzlers hat offensichtlich eine Geschichte, die diesem Stereotyp entspricht. Doch jetzt bricht sie aus, möglicherweise auch auf. Sie spricht sich aus, sie spricht sich frei: von ihrer Vergangenheit, von ihrem Mann, von der Politik ihres Kanzlers und dessen Bevormundung durch seinen Vizekanzler. Nicht genug, dass das Regierungsoberhaupt die politischen Geister nicht los wird, die er gerufen hat – erscheint dem Familienoberhaupt nun auch noch seine eigene Frau als Racheengel, als eine ihm gänzlich Unbekannte: liest ihm die Leviten, rechnet mit seinen politischen Verfehlungen ab, zieht eine ernüchternde Bilanz ihres gemeinsamen Lebens. Der am Klavier sitzende und Mozart spielende Kanzler muss sich das Unerhörte anhören, muss sich auf eine noch nie dagewesene Art und Weise abkanzeln lassen.

Gustav Ernsts Monolog ist wahrlich kein feinfühliges Psychogramm. Vielmehr phantasiert er sich eine Frau des Kanzlers herbei; er legt ihr Worte, Wortkaskaden in den Mund, die einer realen Politikersgattin wie ein einziger Albtraum erscheinen mögen. Er lässt die Frau des Kanzlers über ihren eigenen Schatten springen und sie Wahrheiten sagen, die ihr noch gar nicht bekannt sind.

Das neueste durch und durch dramatische Prosawerk von Gustav Ernst ist eine böse Polemik und ein Stück Utopie – von Zeiten, in denen man nicht mehr zum Arzt geschickt wird, wenn man Visionen hat.

»In diesem Kollateralschaden österreichischer Innenpolitik kulminiert das Buch …« Neue Zürcher Zeitung
»… gesalzene Gardinenpredigt …« DeutschlandRadio
»… ekliges Pamphlet …« Kronen Zeitung
»… ein einziges Wüten, das lustvoll in der Nähe des Skandals operiert.« profil
»Eine Polit-Satire und ein Psychogramm.« Tiroler Tageszeitung
»… absolute Pflichtlektüre …« kunstundbuecher.at
»Von wem wohl die Rede ist?« Die Presse
»Ein Sch(l)üssel-Roman« News