Cejpek, Lucas
Keine Namen. Roman
176 S. [2001] EUR 16,–
ISBN 3 85449 184 0

Der namenlose Held des neuen Romans von Lucas Cejpek ist ein Beamter, der die Zeichen der Zeit erkannt hat: Er gibt interne Informationen an den Meistbietenden weiter. Gegen Bares ist er auch bereit, Einblick in die Mechanik des Geheimnisverrats zu gewähren; natürlich nur einer namhaften Journalistin.
Cejpeks Roman ist der Monolog eines Mannes, der weiß, was er sagt, und der nicht sagt, was er weiß; ein Mann, der über alles spricht, ohne sich zu verraten: Er nennt keine Namen.

Keine Namen ist ein Zeitroman. Es geht um Autos und antike Vasen, Aufzüge und Uhren. »Wir träumen doch alle dasselbe.« Es geht um die Zwangsvorstellung der Gegenwart: schnelles Geld; und zwar im Austausch gegen die Ware der Zukunft: Information. »Nachricht ist alles.« Oder: »Nichts ist, wie es aussieht, und alles bedeutet etwas anderes. Mit anderen Worten, die Wahrheit bleibt unterhalb der Information.«
Der namenlose Held des Romans weiß, wovon er spricht. »Keine Frage. Was ich zu sagen habe. Dazu sage ich nichts.« Die Auskunftsperson ist Beamter im Innenministerium, der seine Stellung privatwirtschaftlich nutzt. »Fast alles, was ich mache, ist ungesetzlich. Am besten Sie wissen nicht zuviel davon.«
Soviel lässt sich sagen: die Geschäfte werden im Auto getätigt, die Arbeit findet am Schreibtisch statt. »Das ist völlig ungefährlich, glauben Sie mir. Phantasie ist gefährlich.«

Keine Namen ist die literarische Befragung eines Mannes, der sich durch Offenheit maskiert. »Sie sollten nicht alles glauben, was ich sage. Lügen ist mein Beruf.« Und das macht ihn interessant. »Im Privatleben gibt es kein Geheimnis. Oder gibt es etwas, das ich Ihnen nicht sagen könnte?«


»… die große Leistung Cejpeks ist (…), dass das im Gegensatz zu manchem der Nouveaux romans von einstmals keine Sekunde langweilig ist. Im Gegenteil, weil der Text mit Präzision die präzise Wahrheit vermeidet …« Der Standard

»… ein Roman, in dessen Zentrum ein Beamter des Innenministeriums steht, der brisante Informationen an Private verkauft. Doch Irrtum: Keine Namen ist weder Enthüllungs- noch Empörungsbuch, sondern eine literarische Erkundung über Informationen an sich und die Ordnungssysteme, mit denen man ihrer Herr wird.« Die Presse

»… weil der Text mit Präzision die präzise Wahrheit vermeidet und gerade nur so viel bietet, dass unser nervöses Weiterfragen sich daran entzündet und wir auf dem Projektionsschirm dieses Buchs vieles und intensivst projizieren können, bleibt er so spannend.« Basler Zeitung

»In der paranoiden Welt des Protagonisten, in der man idealerweise alles weiß, aber nicht zuviel beim Namen nennt, versteckt sich hinter dem Sichtbaren eine Fülle von Unsichtbaren. Keine Namen bietet auf diese Weise – wie die bisherigen Romane von Lucas Cejpek auch – einen erdenklich großen Spielraum für Interpretationen.« Buch-Magazin, Literaturhaus Wien

»lucas cejpek ist ein erstaunliches buch gelungen, ein dichtes und äußerst informationsreiches porträt einer präzisen unfasslichkeit, eines mannes, der davon lebt, genau die grenzen seiner notwendigen unbestimmbarkeit zu kennen. … das außerordentlich spannende ist die konstruktion der augenblicklich stillstehenden zeit, die aus lauter ansammlungen besteht, die beschrieben werden müssen und durch beschreibung bewegung in den roman bringen. … Keine Namen. Roman ist der zeitgemäße ›nouveau roman‹ einer zeitlos opportunistischen spielart männlich-beamtlicher selbstreferenz, hervorragend geschrieben und so wirklichkeitsnah, wie ein text nur sein kann.« kolik, zeitschrift für literatur