Kneissl, Franz
Eine Ratte namens Apfel
Architektur-Roman
S. 376 [2001] EUR 21,50
ISBN 3 85449 187 5
Franz Kneissl ist Architekt und Stadtplaner, der mit Eine Ratte namens Apfel
seinen ersten Roman geschrieben hat. Es ist ein Roman über Architektur
– und somit über unser tagtägliches Leben. Denn nichts bestimmt
so sehr unsere alltäglichen Verrichtungen wie Fragen: Wo befindet sich
der Lichtschalter? Wie überquere ich eine Kreuzung? Wo ist die nächste
Grünfläche?
»Es ist eine Frage des Lebensgefühls, auf Anhieb den richtigen Lichtschalter
zu finden. Nicht immer zuerst den falschen. Millionen Menschen betätigen
in Millionen Haushalten immer zuerst einen falschen Lichtschalter.«
Die Architektur bestimmt also unser Leben, keine Frage. Doch bestimmt unser
Leben auch die Architektur? Als Architekt und Stadtplaner muss Franz Kneissl
darauf in seinem Brotberuf ständig Rede und Antwort stehen. Als Autor kann
er sich den Luxus leisten, Fragen aufzuwerfen und Antworten offen zu lassen.
In kurzen Abschnitten und in wechselnder Abfolge werden die Entwicklungslinien
von sieben verschiedenen Projekten beschrieben: Stadtplanung und Wohnbau, Musiktheater
und Bibliothek, ein außergewöhliches Museum auf der Kykladeninsel
Syros und – als ein allen anderen Projekten geläufiges Beispiel –
ein privater Wohnungsumbau. Diesen Bau-Projekten ist das Text-Projekt Boden
als Fundament unterlegt.
Der Ordnungswille des Architekten korrespondiert mit dem Gestaltungswillen des
Schriftstellers. Der Roman als Architektur, die sich jedoch als nur bedingt
strukturierbar erweist: unsichtbare Organisationsstrukturen einerseits, unübersehbarer
Wildwuchs andererseits. Eine Ratte namens Apfel erweist sich somit
als grandioses Puzzle, als durchkomponiertes Chaos. Ein globales Stimmungsbild
einer Endzeitgesellschaft einerseits, ein persönliches Notizbuch eines
Architekten andererseits.