
Fritsch, Lisa
Am Spieltisch
Die Sucht nach Gewinn und Verlust
160 S. [2004] EUR 16,–
ISBN 3 85449 218 9
»Das Glücksspiel hat ein Ausmaß angenommen, das früher
unvorstellbar war«, heißt es in der New York Times. Lisa Fritsch
berichtet davon in ihren Erzählungen, die mitunter die Form des literarischen
Essays annehmen.
Sie entführt uns nach Las Vegas und erzählt von jenen Spieltischen,
wo es nicht nur um Geld sondern auch um Leben gehen kann. Dann stehen wir mit
dem Maler und Exzentriker Francis Bacon nächtelang an einem Roulettetisch
im Casino. Augenblicke intensiver Lebendigkeit werden für die Leser festgehalten.
Der Text »Das Geständnis des Anwalts« zerstört endgültig
die Illusion vom Glück, das sich beim Spiel einstellen soll.
Auch Lessing war ein leidenschaftlicher Spieler, er liebte das zu seiner Zeit
so populär werdende Lotto. Die Ich-Erzählerin begegnet ihm auf geheimnisvolle
Weise des Nachts in seinem Haus, um mit dem Dichter ein Spiel mit Worten wie
mit Karten zu wagen.
In der Erzählung »Nachtfahrt« konfrontiert uns Lisa Fritsch
noch einmal mit der manischen Glückssuche einer Spielerin, die jeden Preis
zu zahlen bereit ist. Da das Leben der Spieler nicht nur von der »Sucht
nach Gewinn«, sondern auch von der »Sucht nach Verlust« diktiert
wird, findet das Spiel kein Ende: auf Gewinn folgt Gewinn folgt Verlust.